Im Gespräch mit Familie Nickel, Mülheim
 
Familien sind ein Ort des Wachstums. Zunächst wächst die Familie durch die Geburt eines oder mehrerer Kinder, und dann wachsen das Kind oder die Kinder heran, bis sie das Zuhause irgendwann verlassen. Dann wächst die Familie möglicherweise durch die Geburt von Enkelkindern und Ur-Enkeln. Eine andere Form des Wachstums ist, wenn Menschen in Familien aufgenommen werden, zum Beispiel, um ihnen wegen Flucht und Vertreibung ein Dach über dem Kopf zu gewähren. Aktuell erleben wir das recht intensiv mit Menschen aus der Ukraine, die vor dem schrecklichen Krieg flüchten. Wir freuen uns, mit einer Familie sprechen zu können, die genau diese Herausforderung angenommen hat. 
  
Wie kam es zu der Idee, eine Flüchtlingsfamilie aus der Ukraine aufzunehmen?
Während der Renovierung unseres Hauses im Jahre 2019 haben wir für Gäste das Dach mit einem neuen Bad und Küche ausbauen lassen. Dann kam Corona, und die Räume blieben ungenutzt. Bei Kriegsausbruch in der Ukraine hatte Anna die Idee, diese neu renovierten Räume ukrainischen Flüchtling zur Verfügung zu stellen. Der Gedanke, dass wir so viel Platz haben und andere Menschen so in akuter Not, war so präsent und trotz aller damit verbundener Unsicherheit ein Akt der Mitmenschlichkeit. 
  
Hat das der ”Familienrat” entschieden oder wie war das?
Wir hatten zunächst eine ukrainische Freundin von uns gefragt, ob sie in ihrem Umkreis Personen hat, die Unterstützung brauchen. Die Kinder, die das mitbekommen hatten, fanden das natürlich spannend und toll. Von Seiten unserer Freundin wurde aber letztlich keine Hilfe benötigt Noch während des Entscheidungsprozesses erzählte unsere jüngste Tochter Lioba von diesem Vorhaben in ihrer Schule (Montessori Grundschule), in der das Thema Krieg und Flucht mit den Kindern im Klassenkreis besprochen wurde. Der Zufall wollte es, dass Svitlana, die mit ihren beiden Söhnen und dem Großvater nach der Flucht zunächst in Bielefeld bei entfernten Verwandten untergekommen war, verschiedene Schulen in NRW angeschrieben hatte, um für ihren älteren Sohn Sviatoslav möglichst gute Startvoraussetzungen zu schaffen, unter anderem auch der MontessoriGrundschule in Mülheim. Die Schulleitung und Lehrer waren berührt von diesem Anliegen und wollten gerne helfen. So kam es zu einem Anruf von Liobas Klassenlehrer, und die Sache war ausgemacht. Für uns war das ein Zeichen, und wir nahmen Kontakt zu Svitlana auf. 
  
Welche Gefühle haben denn dominiert, als es soweit war?
Alle Seiten waren sehr aufgeregt. Wir wussten gar nicht, was auf uns zukommt, welche Unterstützung von uns erforderlich werden würde und wie sich unser Leben dadurch verändern würde. Aber das Gefühl, das Richtige zu tun unsererseits und die Freude und Dankbarkeit der Ukrainer überwog bei weitem jeden Zweifel und die Ängste vor Problemen, die womöglich durch das sehr enge Zusammenleben mit Fremden entstehen könnten 
  
Ist die Aufnahme mit einer zeitlichen Perspektive verbunden, oder ist es völlig offen, wie lange Eure Gastfreundschaft benötigt wird?
Wir hatten uns vorher informiert, dass eine zeitliche Befristung für die Geflüchteten zusätzlichen Stress bedeutet, und haben daher keinen fixen Endpunkt gesetzt. Nach nunmehr sieben Monaten denken wir aber, dass eine eigene Wohnung der nächste sinnvolle und auch erforderliche Schritt für die Familie wäre. Obwohl das Zusammenleben sehr harmonisch ist, kann es aufgrund der Enge und auch der Veränderungen für unseren Familienalltag keine dauerhafte Lösung sein. Wir hoffen Anfang / Mitte nächsten Jahres eine bedarfsgerechte Wohnung für alle gefunden zu haben. 
  
Habt Ihr eine Strategie entwickelt, mit der Sprachbarriere umzugehen, oder läuft das einfach von selbst?
Mit Svitlana konnten wir uns von Anfang an sehr gut auf Englisch verständigen, mit den Kindern und dem Großvater nur über den Google Translater.Mittlerweile ist Sviatoslav seit über einem halben Jahr in der Montessori Schule integriert und versteht sehr gut deutsch. Der dreijährige Ihor ist im Liebfrauen Kindergarten und lernt ständig dazu. Seit April 2022 ist zum großen Glück aller der Familienvater Serhii nachgekommen, der ebenfalls sehr gut Englisch spricht und gemeinsam mit seiner Frau spätestens im Februar 2023 den B1 Deutschtest absolvieren können wird. 
  
Gewähren Sie uns doch einmal einen kleinen Einblick in Ihren ”neuen” Alltag. Hat sich im Familienleben viel verändert?
Die ukrainische Familie hat bei uns im Haus einen für sich abgeschlossenen Lebensbereich, so dass jede Familie im Prinzip ihre eigenen Alltagsabläufe hat. Wir sehen uns mehrfach täglich bei Wegen durchs Haus. Da auch die Kinder unterschiedliche Interessen haben, reduzieren sich die persönlichen Treffen auf gelegentliche abendliche Veranstaltungen. Häufig besprechen wir organisatorische Maßnahmen wie die Aufnahme bei der Stadt Köln oder dem Jobcenter, alles rund um Behördengänge und Anträge. Wir tauschen uns aber auch über Alltagsprobleme und Freizeitaktivitäten aus. 
  
Wie gehen denn die Kinder mit der Situation um?
Leider spielen unsere Mädchen generell kaum mit Jungs. Hinzu kommen dann noch die Sprachbarriere und eine wechselseitige Schüchternheit. So bleibt es bei den täglichen kurzen Treffen im Haus. Unsere Mädchen sind aber sehr an der Situation um die Ukrainer interessiert und haben die Familie wie wir ins Herz geschlossen. Sie wissen um andere ukrainische Flüchtlinge aus der Schule und versuchen zu verstehen, was Krieg Flucht und Integration mit sich bringen. 
  
Lernen Sie vielleicht so ein Stück die ukrainische Küche kennen?
Da die Ukrainer eine eigene Küche haben, fehlt leider die Gelegenheit zum beiläufigen Kennenlernen von kulinarischen Gewohnheiten. Einmal haben sie uns einen Topf „Borscht“ gebracht, um uns ihr Nationalgericht vorzustellen. Bei einem gemeinsamen Grillabend haben wir gelernt, dass man Wassermelonen zerschneidet, ohne das Messer einmal abzusetzen. 
  
Wie sind denn die Reaktionen aus Ihrem Umfeld? 
Die Reaktionen waren durchweg positiv. Wir haben viel Zuspruch und Unterstützung erfahren. Immer wenn wir mitbekommen, dass der Familie etwas fehlt, starten wir einen Rundruf bei Freunden und Bekannten und das führt immer sehr schnell zum Erfolg! Das geht von Kleidung für den Großvater über Spielzeug für die Kinder, Haushaltsgeräte, bis hin zu Einkäufen von Lebensmitteln. Nach der ersten großen Welle der Sympathie haben wir das Gefühl, dass die allgemeine Hilfsbereitschaft nun etwas abgeflaut ist. Insbesondere könnten wir Unterstützung bei der Wohnungssuche gebrauchen. Wir haben das Gesuch der Familie mehrfach breit gestreut, es fehlt aber an Rückmeldungen. 
  
Gibt es etwas, das Sie anderen Familien mitgeben können, die sich auch mit dem Gedanken beschäftigen, eine Flüchtlingsfamilie aufzunehmen?
Wer sich für so etwas entscheidet, sollte sich klar vor Augen führen, dass eine sinnvolle Unterstützung von Flüchtlingen eher ein Langstreckenlauf als ein Sprint ist. 
Die persönlichen Belastungen, die aufgrund der gegenseitig zu erbringender Rücksichtnahme und zusätzlicher Kosten ergeben, werden aber bei weitem überwogen durch die Dankbarkeit und den Erkenntnishorizont. Immer wenn man das Gefühl hat, dass es nun ein bisschen viel ist, oder man vielleicht genervt ist, führt einen der Gedanke, was man hierdurch für die Leben von fünf andere Menschen bewirkt, schnell wieder zurück in die Gelassenheit. Es wird sehr viel persönliche Hilfe angeboten, und es gibt sogar die Möglichkeit, staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. So übernimmt z. B. das Jobcenter die Zahlung einer monatlichen Miete, was wir aufgrund der erheblich gestiegenen Energiekosten gerne in Anspruch nehmen. Wir hoffen der durch Krieg vertriebenen Familie einen möglichst angenehmen Start in ein neues Leben ermöglicht zu haben. Wir würden es immer wieder tun. 
  
Ich bedanke mich herzlich für das Gespräch.
Dieses Interview führte Reinhard Linke

Kindertagesstätte St. Antonius

Leitung: Werner Mohrs
Don-Bosco-Straße 3
(Zufahrt über: Rixdorferstraße)
51063 Köln
Tel. 0221 / 96702 - 80
E-Mail: kita.antonius@clemens-mauritius.de
Internet: Erzbistum

Kindertagesstätte Herz Jesu

Leitung: Petra Hardt
Schleiermacherstraße 14
51063 Köln
Tel. 0221 / 96702 - 40
E-Mail: kita-herzjesu@clemens-mauritius.de
Internet: Erzbistum

Kindertagesstätte Liebfrauen

Leitung: Stefanie Schwarz
Adamsstraße 17
51063 Köln
Tel. 0221 / 96702 - 50
E-Mail: kita.liebfrauen@clemens-mauritius.de
Homepage: https://kita-liebfrauen.clemens-mauritius.de

Kindertagesstätte St. Mauritius

Leitung: Jörg Dumke
Caumannsstraße 14
51065 Köln
Tel.: 0221 / 697560
Fax: 0221 / 6920624
eMail: kita.mauritius@clemens-mauritius.de
Internet: Erzbistum 

Kindertagesstätte St. Petrus Canisius

Leitung: Sarah Faßbender
Kopernikusstraße 160
51065 Köln
Tel.: 0221 / 96702 - 60
Fax: 0221 / 96702 - 61
eMail: kita.petruscanisius@clemens-mauritius.de
Internet: Erzbistum

Kindertagesstätte St. Theresia

Leitung: Jamila Lampret (komm.)
An St. Theresia 8
51067 Köln
Tel.: 0221/96702 - 70
eMail: kita.theresia@clemens-mauritius.de 
Internet: Erzbistum

Die Kindertagesstätten bilden zusammen mit der Kindertagesstätte des SKM in Buchforst das  Katholische Familienzentrum St. Clemens und Mauritius


 

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