Im Gespräch mit Familie Inaty, Refrath 
  
Ein Umzug in eine neue Stadt oder auch nur in einen neuen Stadtteil bedeutet für Menschen und besonders auch für Familien einen Aufbruch in eine ”neue Welt”. Verbunden mit einem solchen Umzug ist die Veränderung des sozialen Umfelds, neue Weg zu erkunden, eine neue Schule und /oder eine neue KiTa zu entdecken. Das sind nur einige Beispiele einer tiefgreifenden Neuorientierung. Wir hören einmal bei Familie Inaty nach, die dies gerade durchlebt hat.
  
Als erstes wollen wir ganz neugierig wissen, ob Ihre Familie denn schon angekommen ist in ihrem neuen Lebensraum und wie es den Familienmitgliedern damit geht.
Wir leben nun seit Januar in unserem neuen Zuhause, in einem gemütlichen, freistehenden Einfamilienhaus zur Miete in Refrath, Bergisch Gladbach. Es ist sehr schön, nach einer langen Zeit der Renovierung und einem anstrengenden Umzug endlich hier angekommen zu sein. Gemeinsam mit unserer Familie leben hier Sebas Cousine Laura und ihr Mann Rodolfo in einem Anbau am Haus. Dazu kommen unsere drei Kaninchen im Garten. Noch ist das Haus nicht komplett fertig und es gibt immer wieder etwas zu tun, aber wir sind zumindest jetzt drin und ja, sehr glücklich! Es ist ein sehr schöner Ort hier, ruhig und grün und alle genießen mehr Platz und Freiraum, auch wenn sich die Logistik im Alltag teilweise schon verkompliziert hat und Aufbruch und Ankommen in eine sogenannte „neue Welt“ ja insgesamt auch ein Prozess sind und Zeit brauchen. Die Kinder genießen den großen Garten, entdecken neue Abenteuer, freuen sich über ihr eigenes Zimmer und haben den Schritt hierher insgesamt super gemeistert, ihnen gelingt dies ja meist unbeschwerter und leichter als uns Erwachsenen. 
  
Sie leben ja jetzt in einem völlig neuen Umfeld. Was fällt Ihnen denn auf, wenn Sie das mit ihrem bisherigen Umfeld in Mülheim vergleichen?
Refrath ist ja ein eher ruhiger und entspannter Stadtteil von Bergisch Gladbach. Es ist eine idyllische Gegend, die man als bürgerlicher und die Bewohner insgesamt auch als betuchter bezeichnen könnte als in Mülheim. Hier befinden sich zumeist freistehende Einfamilienhäuser in Wohnvierteln. Die Gegend ist sehr beliebt bei Familien, da sie sehr grün ist, mit vielen alten Bäumen, viel Natur drumherum bietet, und trotzdem noch sehr nah an Köln angebunden ist. Es gibt einen kleinen Ortskern mit Geschäften, regelmäßig einen schönen Wochenmarkt, Flohmärkte, Schulen etc. Der Stadtteil Mülheim ist im Vergleich viel multikultureller, durchmischter und wirkt dadurch auf den ersten Blick insgesamt lebendiger. Man sucht dort mehr “gemeinsame“ Orte auf, wie die Spielplätze am Rhein oder das Mäuerchen oder der Ratsplatz in unserer alten Straße, und kommt so schneller in Kontakt mit Menschen. Mülheim ist eine Umgebung, die in ständiger Bewegung scheint, wo ein Austausch stattfindet und die Freunde meist direkt ums Eck wohnen. 
  
Gibt es etwas, was Sie besonders vermissen, wenn Sie an Ihre Zeit in Mülheim zurückblicken?
Hier vermissen wir manchmal genau diese Spontanität im Alltag und dass die Wege kürzer waren, der zufällige Austausch mit gesprächigen und interessanten Menschen direkt vor der Haustür, das bunte Treiben auf den Straßen und auf dem Wochenmarkt, besonders aber auch den Rhein und natürlich die Freunde ums Eck. Wir haben zwar auch hier schon nette Menschen kennengelernt, aber es dauert schon länger, bis man Kontakte findet und man muss sich häufiger verabreden, anstatt sich spontan etwa auf dem Spielplatz zu begegnen wie in Mülheim. Meist mussten wir den Alltag mit den Kindern nicht so planen und durchorganisieren wie jetzt, die Wege waren kürzer und konnten daher selbstständig gemeistert werden. Vor dem Umzug waren wir insgesamt weniger auf das Auto angewiesen, auch wenn wir versuchen, so oft wie möglich unser Lastenrad zu benutzen. 
  
Jetzt die Gegenfrage: Was ist es, dass Sie in Ihrem neuen Lebensraum besonders positiv wahrnehmen?
Die Ruhe im Alltag tut auch sehr gut, einfach mehr qualitative Zeit mit der Familie zuhause und im eigenen Garten zu verbringen, Raum für neue Projekte zu haben, vielleicht bald Hühner oder einen Nutzgarten, eine Werkbank im Keller, Yoga auf der eigenen Terrasse etc. Und die Kinder können jederzeit einfach unbeschwert auf der Stichstraße vor dem Haus spielen. Das war vor allem während der Quarantänezeit sehr wertvoll. Man ist von hier aus schnell im Wald, das Umfeld ist sauber, gepflegt und so schön grün, jetzt wo der Frühling da ist. Darüber hinaus genießen wir alle natürlich das Zusammenleben mit unserer venezolanischen Familie, den Kaninchen, den Fröschen im Teich und lieben es, den vielen Vögeln hier zu lauschen. 
  
Hat Ihre Familie schon den ausreichenden Abstand, um zu sagen, welche drei Punkte wichtig wären, um Mülheim ein Stück lebenswerter zu machen?
Das Problem, dass es in Mülheim kaum mehr bezahlbaren Wohnraum für Familien gibt, ist ja nicht neu, hat uns aber schon dazu gebracht, jetzt die glückliche (und bezahlbare) Möglichkeit hier zu ergreifen, da wir früher oder später mehr Platz gebraucht hätten und diesen in Mülheim wahrscheinlich nicht mehr hätten bezahlen können. Gepflegte (Gemeinschafts-)Grünflächen oder Gärten im Stadtteil und mehr Kultur “für alle“ würden Mülheim natürlich auch zu einem lebenswerteren Umfeld machen. Und auch wenn auf den Straßen ein gewisser Austausch zwischen den Menschen stattfindet, hat man schon das Gefühl, dass das Gefälle zwischen Gegenden wie der Berliner Straße, Keupstraße usw. und den Neubaugebieten (Schanzenviertel, Rheinpromenade etc.) immer größer wird, und wenig wirkliche Mischung stattfindet, was schade ist. 
  
Gibt es in Ihrem neuen Wohnumfeld ”Ankerpunkte”, an die Sie als neu hinzugezogene Familie ”andocken” konnten?
Unser erster neuer Anlauf und Anker ist die neue KiTa von Samuel, die als Elterninitiative auch viel Raum für Austausch und Engagement bietet. Selma besucht schon einen Akrobatikkurs im Refrather Turnverein und Santiago wird hier bald hoffentlich durch den Schulwechsel und Einstieg in die Weiterführende Schule im Viertel andocken. Dass wir im August noch eine Tochter und Schwester erwarten, erdet und verwurzelt uns ebenfalls hier im neuen Wohnumfeld, da dadurch jetzt bereits Strukturen wie eine lokale Hebamme, ein Yogakurs ums Eck etc. und natürlich längerfristig neue Perspektiven aufgebaut und Wurzeln geschlagen werden. 
  
Was würden Sie sagen, war es für die Kinder eher schwierig oder eher einfach, ihre gewohnte Umgebung zurück zu lassen?
Noch sind die beiden großen Kinder durchaus in ihren alten Strukturen verankert, sie gehen weiterhin ihren Hobbys in Mülheim und Höhenhaus nach, besuchen noch die Grundschule in Höhenhaus und pflegen ihre üblichen Kontakte. Daher scheint ihnen der Wechsel in die neue Umgebung bisher einfach gefallen zu sein. Die Kinder empfinden ihn vielmehr als Zugewinn, da sie nun mehr Platz zum Spielen haben, einen Garten usw. Mit der Zeit werden die Kinder bestimmt auch hier um die Ecken Freunde finden, und wir glauben, dass der Übergang in die neue Umgebung dann so sanft und mit ausreichend Zeit von statten ging, dass der Wechsel für die Kinder kein Problem bedeutet. 
  
Und jetzt die selbe Frage an Sie beide.
Sarah: Für mich war es doch ein ziemlicher Loslösungsprozess, der seine Zeit gebraucht hat und immer noch braucht, da ich mich aber auch immer sehr an dem Ort verankert fühle, an dem ich gerade lebe und Mülheim mir sehr ans Herz gewachsen war. Die Vorstellung der noch ungewissen räumlichen Veränderung machte mir anfangs Angst, reizte mich gleichzeitig aber auch sehr. Für mich fühlte es sich aber schon wie ein großer Schritt an, denn man zieht ja nicht mehr alleine um, sondern als Familie, trägt Verantwortung, muss viele neue soziale Strukturen aufbauen. Ich habe zudem bislang immer direkt in einer Stadt gewohnt und noch nie in einem Haus in so einem ruhigen Wohnviertel, daran muss ich mich erst einmal dran gewöhnen. 
  
Sebas: Ich habe Mülheim, wie man so schön sagt, mit einem weinenden und einem lächelnden Auge verlassen. Und doch hat es mich sehr gereizt und freut mich nun, mehr Raum für mich und meine Familie gewonnen zu haben. Aus meiner Kindheit in Venezuela weiß ich dies zu schätzen und die doch relativ kurze Entfernung, die man hier zurücklegen muss, um Freunde oder die Arbeitsstelle in Mülheim zu erreichen schreckte mich nie ab, das kannte ich aus der riesigen Metropole Caracas nie anders und scheint mir daher machbar. 
  
Zum Abschluss jetzt noch der Blick in die Zukunft. Denken Sie, dass Sie sich jetzt in Ihrem neuen Lebensumfeld auch längerfristig einrichten werden?
Ja, auf jeden Fall. Für uns war immer klar, dass der enorme Aufwand, der mit einem Ortswechsel mitschwingt und die Energie, die wir in die Renovierung des Hauses gesteckt haben und weiterhin stecken, eine längerfristige “Investition“ ist. Wir fühlen uns hier sehr wohl und haben noch viele Pläne. 
  
Liebe Familie Inaty, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für Ihre Familie in Ihrem neuen zu Hause.
  
Dieses Interview führte Reinhard Linke
Fotos: Silke Grimm

Kindertagesstätte St. Antonius

Leitung: Werner Mohrs
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51063 Köln
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An St. Theresia 8
51067 Köln
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eMail: kita.theresia@clemens-mauritius.de 
Internet: Erzbistum

Die Kindertagesstätten bilden zusammen mit der Kindertagesstätte des SKM in Buchforst das  Katholische Familienzentrum St. Clemens und Mauritius


 

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