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Das Beichtsakrament ist das Sakrament der Versöhnung mit Gott und den Menschen. 
Es wird vom Priester gespendet und mündet in der sakramentalen Lossprechung. Bewusst begleitet uns das Sakrament in der Kommunionvorbereitung als Erstbeichte, in der Firmvorbereitung und vor einer Eheschließung. Im Anschluss verlieren viele das Sakrament aus dem Blickfeld. Es kann der Eindruck entstehen, dass die Beichte das Sakrament ist, das mit den unangenehmsten Gefühlen verbunden ist. Zu Unrecht. 
 
Eine Beichte ist nur dann verpflichtend, wenn eine schwere Sünde begangen wurde. Die Gründe, die aus dem Alltag zur Beichte motivieren können, sind dagegen lässliche Sünden. Bei diesen ist eine Beichte lediglich empfohlen. Sie zerstören nicht die Gottesbeziehung wie bei einer schweren Sünde, sondern sie belasten sie. Und meistens belasten sie nicht nur die Beziehung zu Gott, sondern auch zu unseren Mitmenschen und uns selber. Ein belastetes Gewissen spürt man, vor allem dann, wenn sich etwas anhäuft. Es sind die kleinen Nachlässigkeiten des Lebens, das Unterlassen des Guten, wo es möglich gewesen wäre. Wir bleiben hinter dem zurück, was wir eigentlich als Christ sein könnten und wollten. Die Beichte ist damit keine Aktion, zu der man aufrecht stehend, aus dem Alltag kommt, sich bewusst klein macht, um danach scheinbar wieder aufgerichtet zu werden. Vielmehr kommen wir bereits mit krummem Rücken zur Beichte, dürfen dort Gott vertrauensvoll hinhalten, was unheil ist an unserem Verhalten und Tun. Die Beichte macht uns nicht klein, sie richtet auf, sie macht uns nicht schwach, sondern bestärkt uns zum Guten hin. 
 
Warum dann überhaupt zur Beichte gehen, wenn man es doch nicht in allen Fällen verpflichtend tun muss und die Angelegenheit mit Gott im persönlichen Gebet selbst regeln könnte, ohne das unangenehme Bekenntnis vor einer anderen Person?
 
Die Beichte setzt die Erkenntnis voraus, dass wir schuldig geworden sind. Um das überhaupt zu sehen, braucht es eine kritische Reflexion; ein kritisches Schauen auf den Tag oder eine entsprechende Zeitspanne. Wir fragen uns dabei, wo wir hinter dem zurückgeblieben sind, was Gott uns zutraut. Gott traut uns zu, das Gute zu tun und das Schlechte zu unterlassen. Wer sich unabhängig von der Beichte nie kritisch hinterfragt, der verpasst die Möglichkeit zum Wachstum im Leben. Die Beichte mit ihrer Vorbereitung hilft uns demnach, in unserem Leben zu wachsen. 
 
Die Beichte ermutigt uns zum konkreten Aussprechen dessen, was schuldhaft belastet. Wenn wir Belastendes aussprechen, distanzieren wir uns emotional von diesen Situationen. Was ausgesprochen wird, nimmt uns nicht mehr ganz gefangen Die Beichte bietet einen geschützten Rahmen, um dieses Aussprechen ohne Angst wagen zu können. 
 
Es geht in der Beichte nicht um Verurteilung, sondern um das Gegenteil, Erlösung und Befreiung. Während im persönlichen Gebet das Sakramentale fehlt, ist es in der Beichte garantiert. Dort sitzt ein Priester, ein Mensch, den wir sehen können, eindeutig hören, und von dem wir uns in heilsamen Zeichen bewegen lassen können. Es geht nicht um die persönliche Meinung des Priesters, sondern er nimmt sich in seiner Person gänzlich zurück und lässt Gott zur Sprache und zur Handlung kommen. Wir erfahren die Zuwendung Gottes in den eindeutigen Worten und Zeichenhandlungen des Priesters. Versöhnung, Zukunft, Neuanfang, Ermutigung zum Guten, werden wahrhaftig erlebbar. Wir wissen, wie heilsam es sein kann, von einem Menschen gesagt zu bekommen: Es ist dir verziehen, es ist gut. Das ist es auch, was uns Gott in der Beichte anbietet. Einen Neuanfang ohne Lasten, die unseren Rücken krumm machen.
 
Die Buße hat nicht den Zweck, uns zu gängeln. Sie folgt der Sehnsucht, das, was wir an Schaden angerichtet haben, wieder gutzumachen. Wir kennen es, unabhängig von einer Beichte, den Wunsch zu verspüren etwas „wieder gutmachen“ zu wollen. Da nicht alles was angerichtet wird, wieder gutgemacht werden kann, kann eine Buße dafür auch stellvertretend stehen. Eine sinnvoll aufgegebe Buße holt aus der eigenen Handlungsunfähigkeit heraus. Gerade dann, wenn ein Schaden nicht wieder gut zu machen ist. Dass Gott die Scherben, die wir hinterlassen, aufkehrt, das ist auch die Zusage, die wir in der Beichte erhalten.
 
Text: Andrea Kühn, Gemeindeassistentin
Foto: GarkushaArt, (Quelle: stock.adobe.com)


 

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