Im Jahr 2005 stand die Entscheidung fest, dass wir – die Indische Gemeinde – von unserer Heimatkirche St. Anno umziehen müssten, weil die Kirche St. Anno und deren Einrichtung kurz vor dem Umbau zum Seniorenzentrum stand. Die Gemeinde St. Clemens und Liebfrauen haben sich bereit erklärt, uns eine neue Heimat zu bieten.

In der Vorgesprächsrunde über die Entscheidung unseres Umzuges war ich persönlich auch mit dabei. Pfarrer Christian Weinhag und Dr. Carl Müllerplatz sind einige Namen aus meinem Gedächtnis. Pfarrer Weinhag erklärte uns alle Einzelheiten und Wünsche sehr präzise und wir waren mit fast allem einverstanden. Unser einziges Problem war die Teilnahme im Mülheimer Gottestracht. Davor waren wir über 25 Jahre ein fester Bestandsteil der Fronleichnamsprozession am Kölner Dom. Es war eine Tradition, dass die indischen Katholiken mit der indischen Landesflagge durch die Schildergasse und gesamte Kölner Innenstadt zogen, begleitet durch indische Kirchenmusik aus Lautsprechern und mit anschließender Begegnung im Alter Markt in dem Indien Center. Schweren Herzens haben wir zum Schluss die Trennung von der Fronleichnam Prozession zugunsten der Mülheimer Gottestracht zugestimmt.
Unsere erste Begegnung war die feierliche heilige Messe in Konzelebration von Pfarrer Christian Weinhag und Pater Ignatious Chalissery CMI, am 5. Februar 2006 in der Herz Jesu Kirche. Dr. Carl Müllerplatz – Vorsitzender der Clementz und Mauritius Gemeinde – hieß uns willkommen. Der für die fremdländischen Gemeinden zuständige Referent Diakon Hans Gerd Grevelding feierte ebenfalls die hl. Messe mit und sprach für das Erzbistum. Eine Kölner Zeitung berichtete nach unserer ersten Teilnahme in der Mülheimer Gottestracht in 2006 unter dem Titel „Die Inder mit dem bunten Schirmen“. Anfangs trafen wir uns nach der Gottestracht im Pfarrheim der Herz Jesu Kirche zur Agape. Mittlerweile ist sogar unsere Begegnung nach dem Gottestracht gemeinsam im Liebfrauenhaus. Wir sind froh und glücklich über dieses zusammenwachsen unserer beiden Gemeinden. Köln-Mülheim war fast immer unser Heimatort. Angefangen haben wir vor 50 Jahren in der Kapelle auf dem 3. Stock des St. Elisabeth Seniorenheims in der Elisabeth-Breuer-Straße. Dort im Hof und in dem großen Innenhof haben wir damals unsere Pfarrfeste gefeiert und viele Begegnungen erlebt. Rückblickend auf die vergangenen fünfzehn Jahre in unserer neuen Heimat in den Gemeinden Liebfrauen und Mauritius kann ich sagen, dass es eine gute Entscheidung war und wir alle sehr glücklich und dankbar sind. Es war immer ein sehr angenehmes Zusammenleben mit den Gemeinden Liebfrauen und Mauritius. Der leitende Pfarrer Stefan Wagner und sein gesamtes Team haben hierzu viel beigetragen. Mir fallen viele Namen als Beispiel der sehr guten Zusammenarbeit ein. Eine Person darf ich stellvertretend und dankend erwähnen und zwar Herrn Daniel Peffgen. Die vielen Termine im Jahr reibungslos und ohne Probleme mit unserer Pfarrsekretärin Frau Schaefer abzustimmen, klappte immer bestens. Die Präsenz vieler Gemeindemitglieder von Liebfrauen und Mauritius insbesondere zu unserem indischen Pfarrfest ist sehr erfreulich.
In diesem Jahr ist die Indische Gemeinde in Deutschland 50 Jahre alt geworden und dies wollten wir gemeinsam mit unserem Pfarrfest gebührend feiern. Leider hat die Corona-Pandemie einiges durcheinander gemacht. Ich persönlich gehöre seit dem Jahr 1974 – seit 46 Jahren – zur Indischen Gemeinde. Nachfolgend fasse die 50-jährige Geschichte unsere Gemeinde zusammen.

Anfang der sechziger Jahre kamen die ersten Inderinnen (Ordensschwestern und junge Mädchen) und Inder aus Kerala in Südindien nach Deutschland. Sie folgten der Einladung deutscher Bischöfe, um hier in Pflegeberufen, in denen damals ein großer personeller Mangel bestand, eine Ausbildung zur Krankenschwester bzw. Krankenpfleger zu beginnen. Die aller meisten waren Katholiken, sogenannte Thomas Christen. Am Anfang begleitete Pater Werner Chakkalakal CMI ehrenamtlich die Katholiken in der Seelsorge.
Seit August 1969 übernahm Pater Jerome Cherussery CMI die ehrenamtliche Seelsorge. Am 1. April 1970 ernannte Kardinal Höffner Pater Jerome Cherussery CMI zum ersten Seelsorger für die Inderinnen.
In den Folgejahren wurde Köln und das Erzbistum in Köln immer mehr zur Anlaufstelle der in Deutschland verstreut lebenden Inder und Inderinnen.
Für die Entwicklung der indischen Mission war es besonders bedeutsam, dass ab 1972 die Ehemänner der in Deutschland tätigen Inderinnen einreisen durften. Die Seelsorgestelle wurde später als „Seelsorger für die Inder“ umbenannt. Nach 16 Jahren, im Jahr 1985 gab Pater Jerome Cherussery CMI die Seelsorgestelle an Pater Frank Jose Chakkalakal CMI weiter. Zwischenzeitlich heirateten viele Krankenschwestern und ihre Ehemänner durften durch die sogenannte Familienzusammenführung nach Deutschland einreisen. Die meisten dieser Ehemänner hatten zuvor einen qualifizierten Berufsabschluss erlernt. Die ersten vier Jahre durften sie allerdings nicht beruflich tätig sein. Es fehlte die Arbeitserlaubnis. Für den Seelsorger war es keine leichte Aufgabe, die in den drei Diözesen Köln, Essen und Aachen verstreut lebenden Inder zu treffen und seelsorglich zu betreuen. Ein Mal im Monat gab es in Köln einen Gottesdienst in der Muttersprache und hin und wieder auch vereinzelten kleineren Orten. Langsam entwickelte sich die Idee der Familienversammlungen. Mittlerweile ist die Indische Gemeinde in Familienversammlungen und Gebetskreise unterteilt. Hierzu berichte ich unten stehend mehr. Die Ordensschwestern der Franciscan Clarist Congregation, die jetzt im St. Elisabeth Seniorenzentrum tätig sind und für die Deutsche und Indische Gemeinde eine Bereicherung sind, begannen ihren Dienst hier in der Zeit von Pater Frank.
In der sogenannten dritten Phase kam eine Vielzahl an Jugendlichen aktiv zu unserer Gemeinschaft. Im Jahre 1995 übernahm Pater Francis Parakkal CMI die Seelsorge und die Jugendarbeit zählte zu seinem Schwerpunkt in der Seelsorge.
Heute obliegt die Leitung der Gemeinde Pater Ignatious Chalissery CMI, der diese Aufgabe im Jahre 2001 übernahm und seit zwanzig Jahren die Gemeinde führt. Die meisten kirchlichen Eheschließungen der zweiten Generation der indischen Katholiken wurden in den letzten 20 Jahren geweiht und Pater Ignatious war fast immer der gewünschte Zelebrant. Viele junge Familien und über vierzig kleine Kinder kommen zwei Mal im Monat zusammen, um den Katechismus zu erlernen und gemeinsam Gottesdienst zu feiern.
Die Mitglieder der Indischen Gemeinde leben in den drei Diözesen Köln, Essen und Aachen. Die ca. 800 Familien, die in den drei Diözesen verstreut leben, werden aus Köln betreut. Drei Sonntage im Monat gehen die Katholiken zu ihrer deutschen Ortsgemeinde zum Gottesdienst und ein Mal im Monat kommen sie in St. Theresia zum indischen Gottesdienst zusammen. Die erste Generation der Indischen Katholiken war hauptsächlich im Pflegeberuf tätig. Auch in der zweiten Generation sind einige Gemeindemitglieder als Ärzte oder als Pflegepersonal tätig. Die meisten Inder in der 2. Generation sind in anderen Feldern tätig.
Die Aktivitäten der Gemeinde in Kurzform:

Familienversammlungen
Um besser mit den Gläubigen in Kontakt zu kommen, sind mehrere Familienversammlungen ins Leben gerufen worden. Soweit ich weiß, wird im Kölner Bistum ein ähnliches Modell diskutiert, um den Priestermangel zu überwinden. In einer Familienversammlung treffen sich die Christen in kleinen Gruppen in den einzelnen Orten gemeinsam mit dem Seelsorger, um Eucharistie zu feiern und sich anschließend zu begegnen. Die erste Familienversammlung entstand im Jahre 1986 in Düsseldorf. Mittlerweile gibt es neun Familienversammlungen in der Indischen Gemeinde (Familienversammlung - Düsseldorf, zwei Familienversammlungen in Köln, Bonn, Mönchengladbach, Bochum, Erftkreis, Duisburg und Schwelm).
Um die Aufgaben in den Familienversammlungen zu koordinieren, wird für zwei Jahre in jeder Familienversammlung eine Komitee von fünf bis sieben Personen (je nach Größe der Familienversammlung) gewählt. Dieses Komitee unterstützt den Seelsorger bei den organisatorischen Aufgaben erheblich.

Gebetskreise
In einigen Orten haben sich noch keine Familienversammlungen entwickelt, aber es bestehen Gruppierungen, die hin und wieder mit dem Seelsorger oder auch ohne den Seelsorger zu Gebetes kreisen zusammenkommen. Das sind vier Orte: Köln-Porz, Köln-Rondorf, Leverkusen und Essen. Aus diesen vier Orten werden Vertreter von dem Seelsorger berufen, die mit zu der jährlichen Komiteetagung eingeladen werden.

Frauengemeinschaft
Es gibt eine Frauengemeinschaft in Köln, in der Frauen aus der gesamten Gemeinde zusammenkommen können. Ein Mal im Monat treffen sie sich, um gemeinsam zu beten, diskutieren und sich austauschen. Sie unterstützen Vieles in der Gemeindeorganisation.

Pfarrfest
Seit 40 Jahren gibt es ein Pfarrfest in der Indischen Gemeinde. Angefangen hat es sehr klein in der Kapelle von Seniorenheim in der Elisabeth-Breuer-Straße. Mittlerweile zählt das Pfarrfest als wichtigstes Begegnungsereignis der Gemeinde und darüber hinaus für die katholischen Inder in Deutschland. Um den Seelsorger bei der Organisation des Pfarrfests zu unterstützen, wird jedes Jahr ein Presudenthi aus dem Kreis der Freiwilligen berufen. Ein Komitee mit etwa 140 Personen organisiert jedes Jahr das Pfarrfest mit über tausend Besuchern in und um Liebfrauen Kirche.

Freizeit- und Gesangsgruppe
Die Freizeitgruppe und die Gesangsgruppe kümmern sich um die Belange der Senioren. Wöchentlich kommen beide Gruppen jeweils zusammen, um gemeinsam zu singen bzw. um Skat zu spielen.

Sandesam
„Sandesam“ ist das Mitteilungsblatt der Indischen Gemeinde und erscheint zwei Mal im Jahr und berichtet über sämtliche Aktivitäten in der Gemeinde.

Jährliche Komiteetagung
Jedes Jahr kommen die Komiteemitglieder aus allen oben genannten Gremien mit dem Seelsorger und Pfarrsekretärin zu einem Tagesseminar zusammen, um die Aktivitäten der Gemeinde auszuwerten, Termine abzustimmen und Vorschläge für das kommendes Jahr zu erarbeiten.

Koordinationskomitee
Seit 2004 gibt es ein 9-köpfiges Koordinationskomitee (vergleichbar mit dem deutschen Kirchenvorstand), um den Seelsorger in der Gemeindetätigkeit zu unterstützen. Alle zwei Jahre wird dieses Koordinationskomitee von der Komiteetagung neu gewählt.

Young Family Meeting
Hier kommen junge Familien mit Kindern zusammen, um gemeinsam zu beten und sich zu treffen. In den letzten drei bis vier Jahren beobachten wir, dass unsere Gemeinschaft mit der Präsenz dieser jungen Familien durch neue Impulse bereichert wird.

Kinder-Katechismus-Unterricht:
Zwei Mal im Monat treffen sich etwa 40 Kinder zum Religionsunterricht mit anschließendem Gottesdienst in der Muttersprache.

Jugendchor: Etwa 15 junge Gemeindemitglieder begleiten als Jugendchor die Gottesdienste musikalisch.

Heilige Messe am dritten Sonntag im Monat in St. Theresia Kirche.
Andacht am Herz Jesu Freitag in St. Theresia Kirche
Andacht am dritten Freitag im Monat im Marie Kapelle.

Hat die Indische Gemeinde noch eine Zukunft in Deutschland?
Vor 50 Jahren, als die Indische Gemeinde in Deutschland entstand, gab es eine dringende Notwendigkeit. Zum Einen gab es anfängliche Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Zum Anderen half die Indische Gemeinschaft, in der gewohnten Gemeinschaft zusammen zu kommen und Heimweh und Unsicherheit in einem fremden Land zu minimieren.
Mittlerweile kann sich die 1. Generation einigermaßen gut in der deutsche Sprache ausdrücken. Die Sorge über die Zukunft und Finanzen ist geringer geworden. Deren Kinder – die 2. Generation – sind mittlerweile gut versorgt und als fester Bestandteil in der deutschen Gesellschaft integriert. Auch in vielen Orten sind unsere Landesleute im Gemeinderat oder sogar im Gemeindevorstand aktiv tätig. Viele sind in den Ortsgemeinden als Kommunionsverteiler oder als Messdiener und Lektoren aktiv. Selbst manche von uns stellt sich die Frage, brauchen wir noch einen Sonderstatus als Indische Gemeinde?
Meine Antwort ist ein eindeutiges JA. Die Menschen kommen in alle erste Linie dahin, wo sie sich sicher fühlen und alles etwas einfacher ist. Wenn sie einmal aus dem gemütlichen Zuhause rauskommen, dann kommen sie auch zu anderen und etwas fremden Orten. Die Menschen, die in der Indischen Gemeinde aktiv sind, sind auch ohne Zurückhaltung gerne in der Ortsgemeinde präsent. Daher ist die Förderung solche Gemeinschaften, wie Seelsorge für die Fremdländischen eine Bereicherung zu unserer Weltkirche.

Devis Vadakumcherry

(Zu Person: Devis Vadakumcherry, Koordinationskomitee Convener der Indischen Gemeinde, Lebt seit 46 Jahren in Köln, Ortskirche: St. Elisabeth, Köln Pesch.)


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