Im Gespräch mit Herrn Rosner, Kurator des Kunstforums St. Clemens 

Herr Rosner, Sie blicken jetzt auf stolze fast 40 Jahre (das 40-jährige Jubiläum ist 2020) Kunstforum
St. Clemens zurück. Können Sie unseren Lesern vermitteln, was dieses Kunstforum ist bzw. welcher Idee es folgt?
Die Ausstellungsreihe ist bereits 1980 unter Federführung der damaligen Organistin Frau Elisabeth Bußmann entstanden. Die Idee war, während ihrer anspruchsvollen Konzerte auch bildende Künstler im Kirchenraum auszustellen. „Kunstforum St. Clemens“ nannte ich es erst ab 1999.

Was hat die Initiatoren bewegt, die Clemens-Kirche als Ort für das Forum auszuwählen?
Es geht auch um eine liturgische Frage, die Kunstwerke sind sozusagen Vorwand für Predigten.
Wenn Sie die Jahre einmal Revue passieren lassen, was kommt Ihnen da in den Sinn?
Wir hatten viele Highlights, z. B. 2003 Karl Burgeff und Jochem Pechau, 2005 Hans Salentin, 2006 Hommage an James Saunders, 2008 Prof. Hubert Schaffmeister, 2014 Prof. Dieter Kraemer und heute Dirk Schmitt ...

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Themen und Werke für die Ausstellung aus?
Im Prinzip geht es um 3 Schlüsselwerke, die im Altarraum und den beiden Konchen gezeigt werden, da diese eine Zusammensicht ermöglichen. Das Nord- sowie das Südschiff ist auch für größere Formate geeignet. Thematisch ist eine solche Ausstellung nicht geordnet, vielmehr geht es um eine Präsentation repräsentativer Arbeiten (bei Einzelausstellungen) oder es sind Arbeiten, die eine neue Sichtweise darstellen, dies besonders bei abstrakten oder informellen Werken.

Ist aus Ihrer Sicht das Kunstforum in die Kirchengemeinde integriert oder ist das gar nicht gewollt?
Es wäre schön, wenn es mehr von den Gemeindemitgliedern wahrgenommen würde, es gibt zwar einen harten Kern, aber es ist auch ein Angebot für das linksrheinische Köln zum Beispiel.

Was können wir denn in den nächsten (vierzig) Jahren von dem Kunstforum erwarten? Oder anders gefragt, wie weit planen Sie die Aktionen /Ausstellungen im Voraus?
Im Grunde planen wir 2 – 3 Jahre im Voraus (es gibt ja nur 3 Ausstellungen pro Jahr): in diesem Sommer gibt es eine Gruppenausstellung (es ist die 70. in
St. Clemens) zum Thema „Menschenbilder“ und im Herbst den Maler Theo Kerp. Im kommenden Jahr gibt es im Sommer eine große Ausstellung mit den Schülern von Prof. Alfred Strack, den wir vor 2 Jahren ausgestellt haben. Diese Ausstellung wird von mehr als 40 Künstlern und Künstlerinnen gestaltet.

Kann man sich als Künstler auch direkt bei Ihnen bewerben? Wie kommt man am besten mit Ihnen ins Gespräch?
Es ist zunächst notwendig, einen Katalog (o. ä.) an meine Adresse zu schicken (Paulinenhofstr. 24, 51061 Köln), dann kann die Qualität dieser Arbeit (auch im Hinblick auf bisher stattgefundene Ausstellungen) bewertet werden.

Gibt es etwas, was Sie unseren Leserinnen und Lesern noch mitgeben möchten?
Es war meine Idee, diese Ausstellungsreihe „Kunstforum St. Clemens“ zu nennen. Erst 1994 bin ich hinzugestoßen nach der Gründung des rechtsrheinischen Kunstvereins (KKr), den es heute leider nicht mehr gibt, er existierte immerhin 10 Jahre. Im Rahmen dieses Kunstvereins entstanden mehrere Kunstausstellungen auch in der Pfarrkirche Liebfrauen.

Was wünschen Sie sich für das 40-jährige Jubiläum? Worauf dürfen wir uns freuen?
Im nächsten Jahr werde ich im Herbst gemeinsam mit zwei Künstlerinnen „zum 70sten“ selbst ausstellen und danach sozusagen das Zepter meinem Nachfolger übergeben. Es handelt sich um den Maler und Kunsthistoriker Norbert Küpper, der u. a. auch bei der Finissage der jetzt laufenden Ausstellung auf meine Fragen antworten wird.

Herzlichen Dank für das Gespräch.
Dieses Interview führte Reinhard Linke

 

Vita:

Herbert Rosner,
geb. geb. 1950 in Bernburg / Saale, lebt seit 1958 in
Köln, ab 1968 Studium an den traditionsreichen Kölner Werkschulen / FH für Kunst uns Design;
Examen und Diplom 1972 sowie 1976 Meisterschü-
ler bei Frau Prof. Marianne Kohlscheen-Richter,
Lehrbeauftragter an der FH (Modellstudiengang Design) 1991– 94; Gründung des Kunstvereins Köln rechtsrheinisch (KKr), Kurator des Kunstforums
St. Clemens (seit 1996), Kunsterzieher am Erzb. Berufskolleg 1996 – 2015; seit 1973 zahlreiche Ausstellungen, seit 1987 Performances und Ausstellungen mit der Künstlergruppe Kölner Kästchentreffen.

 

Das Kunstforum St. Clemens


Seit 1980 werden in der kleinen, außen barocken, innen romanischen Kirche St. Clemens am Mülheimer Rheinufer Kunstausstellungen veranstaltet. Das Kunstforum St. Clemens war das erste Projekt „Kunst in der Kirche“ in dieser Form in Köln. Es präsentiert sowohl etablierte Künstler wie auch noch weniger bekanntes Kunstschaffen aus Köln, aus der Region und darüber hinaus.
Die Kantorin Elisabeth Bußmann organisierte parallel zu ihren Konzertreihen mit Barockmusik in St. Clemens erstmalig im Frühjahr 1980 die erste Kunstausstellung mit Aquarellen und Zeichnungen des Malers und Architekten Erwin Drese, von dem auch das Logo des Kunstforums stammt. Da dies ein großer Erfolg war, plante sie jährlich weitere Ausstellugen mit Werken Mülheimer Künstler. 1984 zeigte Herbert Rosner zum ersten Mal Bilder der 80er Jahre, und schon wenige Jahre später entstand der Gedanke, einen Kunstverein im rechtsrheinischen Köln dem Kulturbüro vorzuschlagen. Mit Hilfe der ortsansässigen Künstlerschaft gelang 1994 die Gründung des KKr (Kunstverein Köln rechtsrheinisch), mit dessen Kooperation 1994 / 95 zwei Großprojekte und einige Einzelausstellungen in St. Clemens und in der benachbarten Liebfrauenkirche stattfanden. „Offene Welten I und II“ zeigte in St. Clemens und Liebfrauen jeweils Gruppenausstellungen. Erst nach der zweiten Pause wegen Renovierung der Clemenskirche entstand mit Herbert Rosner das neue Konzept unter dem Begriff „Kunstforum St. Clemens“. Im Jahre 2001 fanden probeweise 4 Ausstellungen statt, was aber aus organisatorischen und finanziellen Gründen so nicht wiederholt werden konnte. Seither sind es jährlich drei vierwöchige Ausstellungen, die erste im Frühjahr endet am Ostermontag, eine Sommerausstellung und eine Herbstausstellung im Oktober. In der Regel handelt es sich um monografische Künstlerproduktionen von teils renommierten Künstlerinnen und Künstlern. 2006 gab es eine Ausnahme: die Gedenkausstellung für den Kölner Tänzer und Choreographen James Saunders, dessen 10. Todestag damit begangen wurde.
Diese Gruppenausstellung war die erste von bisher dreien, die nach einer Ausschreibung entstand. Doppelausstellungen (wie z. B. Prof. Karl Burgeff mit Jochem Pechau) runden das Programm ab.
In der Mehrzahl sind es Künstler der rheinischen Kunstszene, die ihre umfangreichen Werkschauen veranstalten dürfen, aber es sind auch Maler aus Dortmund, Bielefeld, Freiburg und Halle / Saale darunter. Der Kirchenraum St. Clemens erfreut sich in Künstlerkreisen nach wie vor allergrößter Beliebtheit, was die zahlreichen Bewerbungen für ihre Präsentationen beweisen.
Besonders in Zeiten der Rezession und des Desasters der Kölner Kulturpolitik ist ein Kulturkonzept wie das des Kunstforums St.Clemens unverzichtbar geworden.
Charakteristisch für dieses Konzept ist die Verbindung von Bildender Kunst (Malerei, Bildhauerei, Grafik und Fotografie) und Musik. Die Bildende Kunst wird in St. Clemens im Frühjahr und im Herbst jeher von (zumeist) klassischen Konzerten begleitet. Bei den Vernissagen sind es häufig Performances mit zeitgenössischer Musik (bzw. Uraufführungen derselben). Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist grundsätzlich frei. Informationen zum Kunstforum St. Clemens gibt es im Internet unter: www.sanktclemens.eu.
Text: Lisa Weyand

Bildkredits Kunstwerke:
S. 25: 1. R.: Eckard Alker, Eva-Maria Hermanns, Traudel Lindauer, Gorgonzola (Jürgen Schreiber), 2. R.: Norbert Munnes, Erwin Drese, Herbert Rosner, Heinrich Craemer, 3. R.: Ulla Horky, Wilhelm Kronfeld, Rainer Henze, Rainer Henze, 4. R.: Bernd Bohmeier, (darunter) Hans Salentin, Peter Nettesheim, Wladimir Kalistratow, Rainer Henze,
5. R.: Nelly Schrott, Marlene Nix, Marlene Nix, Eckard Alker,



 

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