Im Gespräch mit Thomas Reuber, Seelsorgebereismusiker, Köln-Mülheim
ENDE JANUAR 2026 VERLÄSST UNSER SEELSORGEBEREICHSMUSIKER THOMAS REUBER NACH 27 JAHREN UNSERE KIRCHENGEMEINDE,
UM DEN NEUEN LEBENSABSCHNITT DER RENTE ZU GENIEßEN. SEIN LANGJÄHRIGER MUSIKERKOLLEGE ULRICH SENDLER BLICKT MIT IHM
ZURÜCK UND AUCH EIN STÜCK WEIT IN DIE ZUKUNFT.
Lieber Thomas, du bist ein sehr vielfältiger Musiker. Magst du kurz erzählen, welche Musik du neben der Kirchenmusik früher und vielleicht
auch heute noch spielst bzw. gespielt hast?
Also, ich fand schon immer auch die Verbindung von klassischer und Rockmusik spannend, mit der gerade in der Musik der 70er Jahre
– also in meiner Jugend – viel experimentiert wurde, und auch das Instrument Synthesizer (ich besitze bis heute zwei „alte“ Instrumente dieser Art aus Band-Zeiten,
die z.B. bei Ostern experimentell manchmal eingesetzt werden!). Das Prinzip des Zusammenbauens von bestimmten Klängen und Klangfarben sind sowohl
bei Orgeln wie beim Synthesizer ja eigentlich sehr ähnlich!
Was hat deinen Kompass schließlich beruflich in Richtung Kirchenmusik ausschlagen lassen?
Schon als Kind und Messdiener wollte ich immer Orgel lernen, musste allerdings erstmal musikalische Elementarlehre, Flöte und Klavier lernen, bis man damals zur Orgel gelangte.
Ich spielte schon früh in verschiedenen Gottesdiensten und nach einigen Umwegen über Bands und Theatermusik habe ich zuerst Schulmusik und Germanistik studiert,
da ich selber eine meistens tolle Schulzeit mit netten, jungen und fortschrittlichen Lehrern hatte und das (bis heute) einen schönen Beruf finde.
Allerdings hat es mich dann doch am Ende des ersten Studiums wieder zur Kirchenmusik hingezogen, da ich gemerkt habe,
dass sowohl die Orgel einerseits wie v. a. die praktische Arbeit mit Chören, Solisten und Orchestern (auch im Bereich der „Alten Musik“) dort eher auszuleben ist.
Wenn du zurückschaust, hat sich das Arbeiten in unserer Gemeinde über die 27 Jahre deiner Tätigkeit verändert?
Auf jeden Fall! Früher hatte man eher mit einer oder wenigen Kirche(n), Chorgruppen, Orgel(n), Seelsorger(n) etc. zu tun, inzwischen sind die Bereiche,
Teams und Herausforderungen aber sehr viel größer geworden. Sie sind aber damit auch immer wieder spannend geblieben,
wenn auch das kirchliche Leben bei uns sehr im Umbruch begriffen ist und immer wieder neue Ideen, Diskussionen und Projekte erfordert.
Gibt es ein persönliches ‚Highlight‘ in den Jahrzehnten deiner Arbeit im Beruf und wofür bist du dankbar?
Es gibt v. a. einige Musikprojekte, wie große Aufführungen der beiden Oratorien Mendelssohns, Paulus und Elias, Musicals wie Godspell
und Jesus Christ Superstar, die Gründung des Kammerchores Cantus firmus mit Reisen nach Frankreich und den RequiemVertonungen von Mozart,
Duruflé und Fauré, aber auch die vielen kleineren Konzerte und Gottesdienste, die Zusammenarbeit mit Solisten, Instrumentalisten und den Chören,
(also mit den Menschen), die erfolgreichen und rechtzeitigen Fusionierungen verschiedener Chorgruppen, und und und …
Dankbar bin ich aber auch für die gute Zusammenarbeit im Musiker- und Pastoralteam, mit dem Büro und der Küsterei und die Ermöglichung
vieler Projekte wie auch den Renovierungen der Orgeln in Herz-Jesu, St. Clemens und Liebfrauen in den letzten zehn Jahren, die jetzt alle schön geworden sind
und fit für die Zukunft.
Für welche Dinge wünschst du dir im Ruhestand mehr Zeit als bisher, wird der Kompass in eine völlig andere Richtung ausschlagen,
welche Rolle wird die Musik in Zukunft in deinem Leben spielen?
Ich wünsche mir mehr Zeit für ehrenamtliche Tätigkeiten, für Touren mit dem Wohnmobil. Aber der Kompass wird immer auch in Richtung Musik zeigen,
vielleicht jetzt aber etwas flexibler und entspannter, und auch mit mehr Zeit, selber in Konzerte und verschiedene Kirchen zu gehen.
Wir ziehen zum Jahresende in eine Mietwohnung im Haus von alten Freunden in Neuss-Nord, aber ich freue mich schon darauf,
weiterhin Messen und Konzerte zu singen und zu spielen, übrigens gerne auch in der alten Heimat St. Clemens und Mauritius seit 1998,
und ich bin ja schließlich auch noch im Dienst bis Ende Januar 2026 und hoffe, dass dann bald ein neuer Kollege oder eine Kollegin mit neuen Ideen beherzt
das musikalische Leben in unserer großen Gemeinde mit bereichert. Heute im Gottesdienst zu Palmsonntag sprach mich ein Text von Michael Kessler besonders an,
den ich abschließend in Auszügen zitieren möchte: Du Gott des Aufbruchs, segne uns, wenn wir dein Rufen vernehmen, wenn dein Geist uns bewegt zum Aufbrechen und Weitergehen.
Du Gott des Aufbruchs, begleite und behüte uns, wenn wir uns aus Gewohnheiten verabschieden, wenn wir dankbar zurückschauen und doch neue Wege wagen.
Du Gott des Aufbruchs, leuchte auch auf unserem Weg, wenn wir neue Schritte wagen auf unserem Weg in dieser Zeit. Dieses wünsche ich uns Allen mit herzlichem Dank!
Vielen herzlichen Dank für das Interview und für die angenehme kollegiale Zusammenarbeit über die vielen Jahre hinweg sowie alles Gute für den neuen Lebensabschnitt!
Dieses Interview führte Ulrich Sendler
Fotos: Silke Grimm
