Im Gespräch mit Robert Knežević

Jetzt hat sich das K-Team formiert, um das Thema einer Jugendkirche für unsere Kirchengemeinde aufzugreifen und zu entwickeln. Wir haben hierzu mit Diakon Robert Knežević gesprochen.

Herr Knežević, wie kam es dazu, dass sich Jugendliche zusammengefunden haben, um sich für eine Jugendkirche in unserer Pfarrgemeinde zu interessieren oder gar zu engagieren?
Die Idee kam mir, als ich im Oktober 2017 hier in die Gemeinde kam. Beim 10-jährigen Jubiläum der CAJ (Anm. d. Red.: Christliche Arbeiterjugend, die die verbandliche Jugendarbeit in der Kirchengemeinde trägt) konnte ich erleben, dass im Festgottesdienst in St. Clemens die Kirche voller Jugendlicher war. Aber das war vorher und nachher nicht mehr so. Das löste bei mir die Gedanken aus, was in unserer Gemeinde nicht stimmt, dass die Jugendlichen nicht zu den Gottesdiensten kommen oder nicht am kirchlichen Leben teilnehmen. Dann dachte ich ok, dann sollten wir die Jugendlichen einmal fragen, was sie sich wünschen oder wie sie sich die Kirche vorstellen. Da ich aber als „Neuer” noch keinen kannte, den ich fragen konnte, habe ich mir überlegt, einmal eine etwas andere Jugendmesse zu gestalten. Das war im Juni 2018. Diese Messe haben wir unter das Motto „Berufung” gestellt und eben anders gestaltet. Die Messe hat im Rahmen meiner Diakonweihe stattgefunden und hat zu sehr positiven Rückmeldungen seitens der Jugendlichen geführt. Das hat mich bestärkt, den Weg weiter zu gehen und zu dem Projekt „Engel haben viele Gesichter” geführt, das in der Gemeinde, dem Erzbistum und darüber hinaus große Wellen geschlagen hat. 
In dem Projekt ging es darum, Jugendliche mit ihren Begabungen in den Gottesdienst einzubeziehen. Die positive Resonanz hat mich ermutigt, Jugendliche einzuladen, an der Gestaltung von Jugendkirche mit zu machen, und nach und nach kamen dann immer mehr Jugendliche dazu.

Sind die Jugendmessen ein Teil dieser Jugendkirche, eine Vorstufe hierfür oder wie können wir das einordnen?
Die Jugendmessen waren sicherlich ideengebend. Bei einem ersten Treffen sagte eine Jugendliche: „Ich wünsche mir Jugendmesse ganz ganz, ganz anders”. Auf die Frage wie anders konnte sie aber keine Antwort geben. Das hat bei mir ausgelöst, darüber nachzudenken, ob die Jugendmesse ausschließlich das richtige Format ist im Sinne eines spirituellen Angebots für die Jugendlichen. Deshalb haben wir uns auf die Suche nach alternativen Gottesdienstformen gemacht. Da sind wir jetzt aktuell dabei und nutzen dafür den Begriff Jugendkirche.

Was passiert da jetzt? Es hat ja bereits ein Workshop stattgefunden.
Ja, in diesem Workshop haben wir mit den Jugendlichen Ideen gesammelt und Wünsche geäußert. Dann haben wir überlegt und bewertet, was davon leicht, mittelschwer oder schwer umsetzbar ist. Dabei haben wir den Satz „das geht nicht oder das haben wir noch nie gemacht” in unseren Gedanken nicht gelten lassen. Wir wollen die Spielräume nutzen, die sich uns bieten. Wir wollen dem Heiligen Geist Raum lassen, bei uns zu wirken.

Jetzt mal angenommen, die Jugendlichen entwickeln Visionen, Ideen und Vorstellungen, die über das hinausgehen, was wir so als Kirche kennen. Die Jugendlichen selbst halten ihre Ideen aus dem Workshop ja alle für realisierbar. Wie sehen denn da die erwähnten Spielräume aus, tatsächlich etwas „Neues” zu schaffen?
Bei der letzten Visitation durch das Erzbistum (Anm. d. Red.: Im Januar 2019) hat Kardinal Woelki gesagt, dass es durchaus vorstellbar ist, dass es eine rechtsrheinische Kirche gibt, so wie das CRUX im linksrheinischen. Da haben wir schon einmal einen großen Fürsprecher. Aber ich bin mir sicher, dass uns auch unsere Pfarrgemeinde mit dem Pfarrgemeinderat unterstützt eine Jugendkirche zu entwickeln, die nicht unbedingt orts- und zeitgebunden ist. Wir brauchen – auch für die Jugend – Orte, denen wir Jesus begegnen können.

Wie kann es gelingen, die Ambitionen in die Gesamtentwicklung unserer Kirchengemeinde einzubinden? Gibt es da schon konkrete Vorstellungen?
Jugendliche wollen in der Liturgie bzw. den Gottesdiensten mehr eingebunden und mehr beteiligt werden, das haben sie konkret geäußert. Das halte ich für völlig unproblematisch, wenn der Wunsch ernst genommen wird. Ein anderer Wunsch war, miteinander Gemeinschaft zu pflegen, an der ein Austausch stattfindet und einen Ort der Begegnung zu schaffen. Das bedeutet konkret, dass wir einen Teil des Lebens miteinander verbringen, miteinander z. B. essen und trinken, miteinander feiern und miteinander beten. Wir wollen im Austausch miteinander den Fragen des Lebens nachgehen. Was noch nicht so konkret ist, ist die tatsächliche Form und Verortung von Jugendkirche. Hier wollen wir noch ganz offen nachdenken und uns nicht frühzeitig einschränken.

Jetzt schauen wir abschließend einmal in die Zukunft. Wo steht unsere Kirchengemeinde St. Clemens und Mauritius wohl in Bezug auf die Jugend in – sagen wir mal – fünf Jahren?
Was die Zukunft bringt, steht in aller erster Linie in der Hand Gottes, davon bin ich fest überzeugt. Er lässt uns Menschen und die Jugendlichen nicht aus der Hand. Die Zukunft der Jugend in unserer Gemeinde hängt nicht von den Jugendlichen ab, sondern hängt von uns, den Erwachsenen, den Seelsorgern, dem Pfarrgemeinderat, dem Kirchenvorstand und den engagierten Ehrenamtlern ab. Die Frage ist, ob sie den Jugendlichen den Raum, besser gesagt den Freiraum, überlässt, bzw. anbietet, in dem sich die Jugendlichen wohlfühlen und weiterentwickeln können. Ob die Gemeinde bereit ist, sich darauf einzulassen und die Stimme der Jugend zu hören und sie ernst zu nehmen, oder nicht.

Herzlichen Dank für das Gespräch.
Dieses Interview führte Reinhard Linke

Fotonachweis: Silke Grimm 

 
Vita:

Robert Knežević geboren 16.05.1981 in Bosnien Herzegowina. Aufgewachsen in Zentralbosnien in der Stadt Žepče.
1993 Flucht der Familie nach Deutschland, 1995 –1996 besucht er das kleine Priesterseminar in Zadar.
1997 folgte er seiner Familie nach Deutschland.Auf Grund von Sprachbarrieren machte R.K. Erfahrungen der Ausgrenzung, sozial und schulisch. Mittlerer Schulabschluss und eine Ausbildung zum
Steuerfachangestellten,
Tätigkeit auf unterschiedlichen Feldern zur Sicherung des Lebensunterhalts. 2013 – 2017 Studium der Theologie im überdiözesanen Priesterseminar St.
Lambert in Lantershofen. 27.05.2018 Weihe zum Diakon.Bis heute Einsatz in der Gemeinde St. Clemens und Mauritius in Köln mit dem Schwerpunkt Jugendarbeit.
Er wurde am 28.06.2019 zum Priester geweiht.

 

Fotokredits: Silke Grimm

Pontifikalamt mit Spendung der Priesterweihe im Kölner Dom (28.06.2019)



 

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