Erzähl doch mal …

Ich bin in Xi’an aufgewachsen, der alten Kaiserstadt mitten in China, und ich erzähle eine Geschichte über meine Mutter.

Meine Mutter ist klein und hat schöne dunkelbraune Augen. Man sagt auf Chinesisch, dass die Augen die Fenster zur Seele sind, und meine Mutter hat ein warmes und reines Herz. Sie war Lehrerin an einem Gymnasium. 

Damals war das Leben in den Schulen sehr einfach, es gab keine Bequemlichkeiten. Die SchülerInnen lebten während der Woche gemeinsam in unbeheizten Schlafsälen in der Schule. Sie gingen jedes Wochenende nach Hause, um ihr Essen zu holen. In der Schule gab es keine Möglichkeit, sich Essen zu bereiten oder wenigstens warm zu machen. Die Kinder holten sich kochendes Wasser aus einer sehr einfachen Kantine und gingen zurück in den Schlafsaal, um kalte chinesische Brötchen zu essen. 

Auch wir wohnten, wie die Familien aller Lehrer, in einem Raum in der Schule. Wir hatten einen Herd, und es war warm. Meine Mutter lud Ihre Schüler oft zum Nudelessen ein oder backte Brötchen auf unserem Herd. Sie hat sich immer so sehr um die Kinder gekümmert, dass ich manchmal eifersüchtig auf ihre Schüler war. Ich hatte das Gefühl, dass sie mir ihre Liebe und Aufmerksamkeit wegnahmen.

Einmal regnete es am Sonntag in Strömen. Die meisten Kinder mussten die 5 – 10 km zur Schule zu Fuß laufen, und sie kamen bis auf die Haut durchnässt  an. Meine Mutter nahm die Kinder mit in unseren Raum, damit sie sich aufwärmten und ihre Kleidung trocknen konnte. Unser Zimmer war erfüllt von der Liebe der mutterähnlichen Lehrerin.

Ich ging an diesem Tag in meine Schule und war auch ganz kalt und nass geworden, aber meine Mutter bemerkte es erst am Abend, als ich ins Bett ging.

Ich erinnere mich auch an einen Jungen, dessen Mutter gestorben war. Meine Mutter kaufte ihm Dinge zum Leben und unterstützte ihn, bis er arbeitete. So gibt es viele SchülerInnen, denen meine Mutter geholfen hat. Sie alle schenkten ihrer Lehrerin, meiner Mutter, ihre tiefste Liebe.

Meine Mutter ist dieses Jahr sehr krank und ich kann wegen Corona keinen Flug nach Hause buchen, um bei ihr zu sein.

Haiyi     

 


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