Vor ungefähr einem Jahr ergänzte unsere Pfarrgemeinde die Reihe der Apostelleuchter in der Kirche St. Mauritius um den Leuchter der Maria Magdalena. Er hängt seitdem neben dem Altar.

Bereits im Urchristentum wurde Maria Magdalena als „apostola apostolorum“, als „Apostolin der Apostel“ bezeichnet. In einer patriarchalen Welt eine ungewöhnliche Auszeichnung!

Was wissen wir über sie? 

Im Lukasevangelium folgt sie Jesus mit anderen Frauen, nachdem er sie von sieben Dämonen befreit hat. 

Später taucht sie im Rahmen des Todes und der Auferstehung Jesu auf, wo sie und andere Frauen bis zum Ende bei Jesus bleiben. Sie entdeckt als erste das leere Grab und verkündigt den ungläubigen Jüngern die Auferstehung Jesu.

Die indischen Künstlerin Lucy D’Zouza stellte 1990 Maria Magdalena gemeinsam mit anderen biblischen Frauen auf dem Misereor-Hungertuch „Biblische Frauengestalten – Wegweiser zum Reich Gottes“ dar.

Im Zentrum des Tuches befindet sich ein Samenkorn, in dem eine Frau sitzt, die einen Teig mit Sauerteig durchwirkt. Samenkorn und Sauerteig sind Gleichnisse Jesu für das Reich Gottes. Wie bei Samenkorn und Sauerteig wächst das Reich Gottes von alleine und zeigt im Kleinen große Wirkung. Um das Samenkorn herum sind biblische Frauengestalten dargestellt.

Miriam drückt in einem Lied ihre Begeisterung über Gottes befreiendes Handeln an den Israeliten aus. Die ägyptischen Hebammen Pua und Schifra setzen sich über das Tötungsgebot des Pharao hinweg und retten israelitischen Säuglingen das Leben. Die Moabiterin Ruth begleitet trotz der Risiken in der Fremde ihre Schwiegermutter in deren Heimat Kanaan. Eine syrophönizische Frau beharrt hartnäckig darauf, dass Jesus, der sich zunächst sträubt, ihre Tochter heilt. Die schwangere Maria lobt beim Besuch ihrer ebenfalls schwangeren Cousine Elisabeth Gottes große Taten im „Magnificat“. Maria Magdalena schließlich erkennt Jesus als den Auferstandenen und verkündigt dies den ungläubigen Jüngern. 

Marianne, du engagierst dich bei der Bewegung Maria 2.0. Wie kam es dazu?

2019 habe ich mit meiner Berufsgruppe (der Pastoralreferent*innen, Anm. d. A.), die damals dreißig Jahre im Dienst waren, einen offenen Brief an Kardinal Wölki geschrieben mit dem Hinweis, dass er unsere Kompetenzen nicht ausreichend nutzt, dass wir das Gespräch mit ihm suchen und uns mehr Perspektiven wünschen. 

Der Brief wurde vom Kardinal sehr kritisch gesehen und es gab einen großen Aufstand. 

Zeitgleich dazu hatte sich die Maria 2.0 Gruppe entwickelt, zu der ich Kontakt aufnahm. Als2019 die „Umarmung des Doms“, angeregt durch Maria 2.0, erfolgte, beschloss ich, dort offensiv mitzumachen.Nachdem ich meine erste Abfuhr durch den Kardinal erhalten hatte, wollte ich weiter am Ball bleiben. 

Was sind die Ziele der Maria 2.0-Bewegung?

Wir kämpfen für gleiche Rechte von Frauen und Männern in der katholischen Kirche und eine Reformation unserer Kirche. Wir streben nicht das Priesteramt in jetziger Art und Weise an, weil das kontraproduktiv für unsere Kirche wäre, sondern eine grundsätzliche Erneuerung unserer Kirche. 

Wie wollt ihr diese Ziele erreichen? 

Wir gehen erstens in die Öffentlichkeit. Ende 2019 haben wir aber festgestellt, dass es sehr wichtig ist, dass wir vor allem an der Seite der Betroffenen von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche stehen müssen, um als Kirche glaubwürdig zu sein. Da müssen wir dran bleiben und haben deutlich Position bezogen. 

Parallel hat sich aufgrund des Kirchenstreiks 2019 Maria 2.0 auch eine weltweite Bewegung entwickelt, d.h. wir sind mittlerweile mit dem Katholic Women‘s Council auf fünf Kontinenten in an die dreißig Ländern aktiv.

Habt ihr schon auf irgendeine eurer Aktionen eine Reaktion vom Erzbistum oder vom Kardinal bekommen?

Nein. Wir haben von vielen in der Kirche engagierten Menschen Reaktionen bekommen, aber der Kardinal oder die Kirchenleitung hat bisher nicht das Gespräch mit uns gesucht. 

Viele Kritiker werden fragen: „Warum werdet ihr denn nicht evangelisch, dort haben Frauen alle Möglichkeiten?“ Was antwortest du darauf?

Ich bin Teil dieser katholischen Kirche und möchte es auch bleiben. Die katholische Kirche gehört nicht nur den Kardinälen und nicht nur den Männern, sondern mindestens in gleichen Anteilen auch den Frauen und dafür müssen wir kämpfen. 

Der Ausschluss der Frauen von den Ämtern der katholischen Kirche wird ja oft biblisch begründet. Jesus und seine 12 Apostel waren männlich. Was würdest du darauf sagen?

Man muss immer die jeweilige Zeit betrachten. Die Zeit Jesu war eine stark patriarchal geprägt, noch viel patriarchaler als heute noch in vielen Ländern der südlichen Hemisphäre. Aber die Rolle, die Jesus damals schon den Frauen gegeben hat, lag weit über dem, wo wir heute sind. Viele Frauen waren in seiner Gefolgschaft. Und ob es wirklich der Zwölferkreis war beim letzten Abendmahl war, wissen wir nicht. Dann gibt es Maria Magdalena als die Apostolin der Apostel. Wir degradieren sie nach wie vor in der katholischen Kirche, obwohl sie ja sogar vom Papst anerkannt wurde. Spätestens dann hätte der Papst auch die Konsequenzen ziehen müssen und eine Gleichberechtigung für Frauen und Männer in der katholischen Kirche erwirken müssen. 

Ich behaupte sogar noch: Wenn die katholische Kirche, die immer noch in vielen Ländern viel Autorität und Macht hat, den Mut hätte zu sagen, Frauen und Männer sind in unserer Kirche gleichberechtigt, hätte das Friedenskonsequenzen für die ganze Welt. 

Ist das ständige Protestieren und „gegen etwas sein“ nicht anstrengend?

Ja. Es ist sehr anstrengend, ermüdend und überhaupt nicht schön. Deshalb werden wir im Mai, am dritten Jahrestag des Beginns des Kirchenstreiks, wieder eine Maria 2.0-Woche machen und dabei wird ein Tag unter dem Leitwort „Kampf und Kontemplation“ stehen. Das macht deutlich, wir wollen weiter kämpfen mit den Mitteln, die uns als Christ*innen zur Verfügung stehen, mit friedlichen aber deutlichen Mitteln, aber wir müssen auch Orte unserer Kontemplation finden. Diese werden wir mehr und mehr suchen. Dazu werden wir auch unsere eigenen Liturgien entwickeln müssen, um unsere Quellen weiter am Fließen zu halten. 

Meine Abschlussfrage: Wo siehst du die katholische Kirche in zehn Jahren?

Es gibt Länder der Welt, wo die katholische Kirche nach wir vor wächst, aber auch in einer differenzierten Weise, wenn ich an meine Freunde in Tansania sehe, auch dort wird sich etwas verändern. 

Wenn die katholische Kirche in Deutschland so weiter macht wie in den letzten zwei bis drei Jahren, wird sie in zehn Jahren vermutlich schon ein Resthäufchen sein  

Vielen Dank für dieses Gespräch. Das Gespräch führte Edith Timpe

Maria 2.0, auch Kirchenstreik genannt, ist eine von Frauen in der römisch-katholischen Kirche in Deutschland ausgehende Initiative. Sie begann mit einer Aktionswoche in Münster vom 11. bis zum 18. Mai 2019…

Der Name der Initiative wird damit begründet, dass „Maria 1.0“ für Maria als Idealbild der schweigenden und dienenden Frau stehe. „2.0 heißt Neuanfang: Alles auf null stellen. Wir sind nicht mehr so!“ – wie Lisa Kötter, eine der Initiatorinnen, formulierte. (Quelle: Wikipedia)


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