Liebe Leserinnen, liebe Leser,

im Gleichnis vom Pharisäer und dem Zöllner sind die Sympathien klar verteilt.

Hier der selbstgerechte Pharisäer, dort der arme Zöllner. Wie so oft lohnt sich aber auch hier der genaue Blick. Was macht den Pharisäer eigentlich so unsympathisch? Vermutlich der Satz: "Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin ..." (V. 11) Diese Form der elitären Arroganz stößt uns übel auf, auch wenn sie in verschiedenen Zusammenhängen auch heute auftaucht. Es ist jedoch sehr leicht, den Anfang des Satzes zu überlesen: Da steht "Gott, ich danke dir", und diese vier Worte können uns zu einem tieferen Verständnis helfen. Sie ahnen es, ich möchte eine Lanze für den Pharisäer brechen, denn nach seinem Verständnis hatte er tatsächlich allen Grund, Gott zu danken. Er gehörte zum auserwählten Volk, und er hielt sich an das Gesetz, das Mose überliefert hatte und durfte sich - nach seinem Verständnis - als vollwertiger Vertragspartner Gottes fühlen (übrigens teilte er dieses Verständnis mit einer ganzen Reihe anderer Juden; ein Sprichwort aus der Zeit Jesus lautete: Gott hat die Heiden als Brennstoff für die Hölle gemacht). Natürlich können wir die Selbstgerechtigkeit des Pharisäers tadeln, nur sollten wir nicht vergessen, dass wir in einer sehr wettbewerbsorientierten Zeit leben, in der Menschen auf ihre Siege über andere auch stolz sind. Der Pharisäer ist stolz auf seine Leistung Gott gegenüber und glauben wir bitte nicht, dass es leicht sei, das ganze Gesetz zu erfüllen. So gesehen können wir den Pharisäer vielleicht in einem etwas milderen Licht betrachten.

Ihr P. Thomas

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